Von manuellen Prüfungen zu intelligenten Systemen: Wie Datennutzung die visuelle Inspektion in der Pharmabranche vorantreibt

Die phar­ma­zeu­ti­sche visu­el­le Inspek­ti­on ent­wi­ckelt sich von manu­el­len Prü­fun­gen hin zu KI-gestütz­ter Ana­ly­tik – doch der ent­schei­den­de Erfolgs­fak­tor ist die Daten­rei­fe. Erfah­ren Sie, wie die Ver­füg­bar­keit und Struk­tu­rie­rung von Inspek­ti­ons­da­ten fort­schritt­li­che Qua­li­täts­in­tel­li­genz ermög­licht.

Die Qua­li­täts­si­che­rung durch visu­el­le Inspek­ti­on war in der phar­ma­zeu­ti­schen Pro­duk­ti­on schon immer ein kri­ti­scher Pro­zess. Was sich jedoch ver­än­dert, ist das, was Her­stel­ler mit den Daten aus dem Inspek­ti­ons­pro­zess anfan­gen kön­nen. Der Weg zur auto­ma­ti­schen, daten­ge­stütz­ten Inspek­ti­on ist kein ein­zel­ner Tech­no­lo­gie­sprung, son­dern eine schritt­wei­se Ent­wick­lung durch ver­schie­de­ne Rei­fe­stu­fen – jede davon erschließt Mög­lich­kei­ten, die in der vor­he­ri­gen Stu­fe noch uner­reich­bar waren. Daten sind der rote Faden. Wie sie erfasst, struk­tu­riert und nutz­bar gemacht wer­den, bestimmt, wie weit ein Her­stel­ler auf die­sem Weg tat­säch­lich kom­men kann. Um die­se Ent­wick­lung zu ver­ste­hen, muss man zunächst die Stu­fen ken­nen, die sie defi­nie­ren.

Level 1: Vollständig manuell oder halbautomatisch – Das menschliche Auge

Geschul­te Prü­fer unter­su­chen Vials, Sprit­zen und Ver­pa­ckun­gen unter kon­trol­lier­ten Licht­be­din­gun­gen auf Par­ti­kel, Ris­se, Eti­ket­tie­rungs­feh­ler und kos­me­ti­sche Män­gel. Die­ser von Men­schen gesteu­er­te Ansatz hat der Bran­che jahr­zehn­te­lang gute Diens­te geleis­tet – und das aus gutem Grund: Mensch­li­che Prü­fer kön­nen sub­ti­le Anoma­lien erken­nen und kon­text­be­zo­ge­ne Beur­tei­lun­gen vor­neh­men, wie es frü­he auto­ma­ti­sier­te Sys­te­me nicht konn­ten.

Die Gren­zen sind jedoch eben­so klar. Ermü­dung der Prü­fer beein­flusst die Erken­nungs­ra­te. Sub­jek­ti­vi­tät führt zu Schwan­kun­gen zwi­schen Schich­ten und Stand­or­ten. Selbst bei Ein­satz halb­au­to­ma­ti­scher Inspek­ti­ons­ma­schi­nen ist der Durch­satz durch die mensch­li­che Geschwin­dig­keit begrenzt. Und ent­schei­dend: Manu­el­le Inspek­ti­on erzeugt kaum ver­wert­ba­re Daten – sobald eine Ent­schei­dung getrof­fen ist, geht die Erkennt­nis ver­lo­ren.

Für Pro­duk­tio­nen mit gerin­gem Volu­men oder hoher Varia­bi­li­tät bleibt manu­el­le Inspek­ti­on ver­tret­bar. Für Hoch­ge­schwin­dig­keits­li­ni­en und zuneh­men­de regu­la­to­ri­sche Anfor­de­run­gen wird sie zum Eng­pass.

Level 2: Klassische Bildverarbeitung – Regelbasierte Algorithmen

Der ers­te Schritt zur Auto­ma­ti­sie­rung erfolgt über kame­ra­ba­sier­te Sys­te­me, die mit deter­mi­nis­ti­schen, regel­ba­sier­ten Algo­rith­men pro­gram­miert sind. Die­se klas­si­schen Machi­ne-Visi­on-Sys­te­me prü­fen Behäl­ter mit hoher Geschwin­dig­keit und kenn­zeich­nen Defek­te anhand vor­de­fi­nier­ter Schwel­len­wer­te: Par­ti­kel­grö­ße, Kon­trast­stu­fen, Tole­ran­zen für Eti­ket­ten­po­si­ti­on usw.

Das ist eine deut­li­che Ver­bes­se­rung in Bezug auf Kon­sis­tenz und Durch­satz. Auto­ma­ti­sier­te Sys­te­me ermü­den nicht. Sie wen­den die­sel­ben Kri­te­ri­en auf jede Ein­heit an, jede Stun­de, jeden Tag. Für klar defi­nier­te Defekt­ty­pen in sta­bi­len Pro­zes­sen lie­fert klas­si­sche Bild­ver­ar­bei­tung zuver­läs­si­ge Leis­tung.

Die Starr­heit regel­ba­sier­ter Sys­te­me schafft jedoch neue Pro­ble­me. Ist das Sys­tem zu emp­find­lich ein­ge­stellt, stei­gen die Falschaus­schuss­ra­ten – Pro­dukt und Prü­fer­zeit wer­den ver­schwen­det. Ist es zu locker kali­briert, pas­sie­ren ech­te Defek­te uner­kannt. Jede Pro­zess­än­de­rung – neu­es Ver­pa­ckungs­ma­te­ri­al, Licht­ver­än­de­run­gen, Anpas­sun­gen der Pro­dukt­be­fül­lung – erfor­dert manu­el­le Neu­kon­fi­gu­ra­ti­on und Reva­li­die­rung.

Grund­sätz­li­cher noch: Regel­ba­sier­te Sys­te­me kön­nen nur das erken­nen, wofür sie expli­zit pro­gram­miert wur­den. Neu­ar­ti­ge Defekt­ty­pen, schlei­chen­de Pro­zess­drift oder kom­ple­xe Wech­sel­wir­kun­gen zwi­schen Varia­blen blei­ben unsicht­bar.

Level 3: Datengetrieben – Regelbasiert + Monitoring + Dateninfrastruktur

Auf die­ser Rei­fe­stu­fe bau­en Unter­neh­men auf klas­si­scher Bild­ver­ar­bei­tung auf, indem sie sys­te­ma­ti­sches Moni­to­ring und Daten­in­fra­struk­tur ergän­zen. Inspek­ti­ons­da­ten, die zuvor nach einer Gut/­Schlecht-Ent­schei­dung ver­wor­fen wur­den, wer­den nun Teil eines kon­ti­nu­ier­li­chen Daten­stroms, der ana­ly­siert, getren­det und mit ande­ren Pro­zess­va­ria­blen kor­re­liert wer­den kann.

Die­se Stu­fe führt sta­tis­ti­sche Metho­den ein, etwa Sta­tis­ti­cal Pro­cess Con­trol (SPC) auf Inspek­ti­ons­da­ten, Trend­ana­ly­sen von Feh­ler­ra­ten und grund­le­gen­de Root-Cau­se-Ana­ly­se-Funk­tio­nen. Unter­neh­men eta­blie­ren Daten­pipe­lines, die Inspek­ti­ons­sys­te­me mit Qua­li­täts­ma­nage­ment­sys­te­men ver­bin­den und so Trans­pa­renz über Char­gen, Lini­en und Stand­or­te hin­weg ermög­li­chen.

Die regel­ba­sier­te Logik bleibt bestehen, arbei­tet nun aber in einem Rah­men, der Ergeb­nis­se erfasst, spei­chert und retro­spek­ti­ve Ana­ly­sen über die Zeit ermög­licht. Das schafft die Grund­la­ge, um Mus­ter zu ver­ste­hen, Drift zu erken­nen und daten­ba­sier­te Ent­schei­dun­gen über Pro­zess­an­pas­sun­gen zu tref­fen.

Die Erken­nungs­al­go­rith­men selbst sind jedoch wei­ter­hin manu­ell pro­gram­miert. Die Intel­li­genz liegt dar­in, wie die Daten ver­wal­tet und ana­ly­siert wer­den – nicht in den Inspek­ti­ons­mo­del­len selbst.

Stufe 4: KI-gesteuert – KI-Modelle anstelle von / mit regelbasierter Logik

Hier wird visu­el­le Inspek­ti­on wirk­lich intel­li­gent. Anstatt sich aus­schließ­lich auf vor­de­fi­nier­te Regeln zu ver­las­sen, ler­nen KI-basier­te Com­pu­ter-Visi­on-Model­le aus der Pro­duk­ti­on, wie „nor­ma­le” Varia­ti­on aus­sieht. Die­se Model­le kön­nen eigen­stän­dig arbei­ten oder bestehen­de regel­ba­sier­te Sys­te­me ergän­zen, indem sie Anoma­lien erken­nen und Mus­ter ler­nen, die regel­ba­sier­te Algo­rith­men über­se­hen wür­den. Die Aus­wir­kun­gen auf die Qua­li­täts­si­che­rung sind tief­grei­fend.

In der Pra­xis zeigt sich das auf zwei Arten. Die ers­te ist Aug­men­ta­ti­on – KI arbei­tet neben einem bestehen­den regel­ba­sier­ten Inspek­ti­ons­sys­tem, ersetzt es aber nicht. Tra­di­tio­nel­le Sys­te­me sind gut dar­in, das zu erken­nen, wonach sie suchen sol­len, aber KI füllt die Lücken. Wenn eine Ein­heit ein Bild erzeugt, das in eine Grau­zo­ne fällt, greift ein trai­nier­tes Modell auf Mus­ter zurück, die es aus Pro­duk­ti­ons­da­ten gelernt hat, um zu einer zuver­läs­si­ge­ren Bewer­tung zu gelan­gen. Das Ergeb­nis: Weni­ger Defek­te schlüp­fen durch, und weni­ger ein­wand­freie Ein­hei­ten wer­den unnö­tig aus­ge­schleust.

Der zwei­te Modus ist eigen­stän­di­ge KI-Inspek­ti­on, bei der das Modell die Erken­nungs­ent­schei­dung voll­stän­dig über­nimmt. Die­ser Ansatz eig­net sich für Pro­duk­te, bei denen die Gren­ze zwi­schen nor­ma­ler Varia­ti­on und Defekt­mus­tern ver­schwimmt und Regel­be­din­gun­gen so kom­plex wer­den, dass das Sys­tem sprö­de wird. Ein Modell, das die vol­le Band­brei­te des Nor­ma­len gelernt hat, muss nicht jeden Grenz­fall im Vor­aus defi­niert bekom­men. Es erkennt ein­fach, was davon abweicht.

Was bei­de Ansät­ze leis­tungs­fä­hig macht: Sie wer­den mit der Zeit bes­ser. Jede geprüf­te Ein­heit, jeder bestä­tig­te Defekt, jeder Fehl­alarm erwei­tert die Daten, aus denen das Modell ler­nen kann. In einer Bran­che, in der eine ein­zi­ge kon­ta­mi­nier­te Char­ge schwer­wie­gen­de Fol­gen haben kann, ist die­se Art von kumu­la­ti­ver Ver­bes­se­rung ein bedeut­sa­mer Wan­del im Schutz der Qua­li­tät.

Bei Stat­Soft haben wir aus ers­ter Hand erlebt, wie die­se Fähig­keit die Arbeits­wei­se von Inspek­ti­ons­teams ver­än­dert. Was frü­her kon­stan­te Regel­pfle­ge und pro­dukt­spe­zi­fi­sche Para­me­ter­an­pas­sung erfor­der­te, wird zu einem Sys­tem, das mit jedem gesam­mel­ten Daten­punkt leis­tungs­fä­hi­ger wird.

Was Datenreife in der Praxis bedeutet

Daten­rei­fe bedeu­tet nicht, Men­schen durch Maschi­nen zu erset­zen. Es geht dar­um, Inspek­ti­ons­da­ten ver­füg­bar, struk­tu­riert und hand­lungs­fä­hig zu machen, damit Qua­li­täts­fach­leu­te Ent­schei­dun­gen auf Basis des­sen tref­fen kön­nen, was wirk­lich zählt. Ohne die in Stu­fe 3 auf­ge­bau­te Daten­in­fra­struk­tur bleibt KI-gestütz­te Ana­ly­tik in Stu­fe 4 theo­re­tisch.

Die Rei­se durch die­se vier Stu­fen ist im Kern eine Rei­se der Daten­rei­fe. Stu­fe 1 erzeugt kaum struk­tu­rier­te Daten. Stu­fe 2 lie­fert Gut/­Schlecht-Signa­le, aber mit engem Kon­text. Stu­fe 3 baut die Pipe­lines, Spei­cher- und Moni­to­ring-Kapa­zi­tä­ten auf, die Daten zugäng­lich machen. Erst mit die­sem Fun­da­ment wird Stu­fe 4 rea­li­sier­bar – denn KI-Model­le benö­ti­gen his­to­ri­sche Daten zum Ler­nen, Echt­zeit-Daten­strö­me zur Ana­ly­se und inte­grier­te Sys­te­me zum Han­deln.

Vie­le Pro­duk­ti­ons­stät­ten arbei­ten gleich­zei­tig auf meh­re­ren Daten­rei­fe­stu­fen. Manu­el­le Inspek­ti­on für kli­ni­sche Char­gen (kei­ne Daten­in­fra­struk­tur), klas­si­sche Bild­ver­ar­bei­tung für Hoch­vo­lu­men­li­ni­en (Basis­si­gna­le), daten­ge­trie­be­nes Moni­to­ring für stra­te­gi­sche Pro­duk­te (struk­tu­rier­te Pipe­lines) und KI-Model­le dort, wo das Daten­fun­da­ment es unter­stützt. Ent­schei­dend ist zu ver­ste­hen, wo Daten­in­fra­struk­tur exis­tiert, wo sie auf­ge­baut wer­den muss und wel­che ana­ly­ti­schen Fähig­kei­ten auf jeder Stu­fe mög­lich wer­den.

Für phar­ma­zeu­ti­sche Her­stel­ler, die mit zuneh­men­der Kom­ple­xi­tät, enge­ren Mar­gen und stei­gen­den regu­la­to­ri­schen Anfor­de­run­gen kon­fron­tiert sind, lau­tet die Fra­ge nicht, ob KI-gestütz­te Inspek­ti­on ein­ge­führt wer­den soll, son­dern ob das Fun­da­ment der Daten­rei­fe vor­han­den ist, um sie zu tra­gen.

Wie es weitergehen kann 

Daten­ge­trie­be­ne visu­el­le Inspek­ti­ons­ana­ly­tik ist kei­ne expe­ri­men­tel­le Tech­no­lo­gie mehr. Sie ist eine bewähr­te Fähig­keit, die füh­ren­de phar­ma­zeu­ti­sche Her­stel­ler ein­set­zen, um Pro­dukt­qua­li­tät zu schüt­zen, Aus­schuss zu redu­zie­ren und die Markt­ein­füh­rungs­zeit zu ver­kür­zen. Die Ent­wick­lung von manu­el­ler Inspek­ti­on zu intel­li­gen­ten auto­ma­ti­schen Sys­te­men spie­gelt einen umfas­sen­de­ren Wan­del in der Qua­li­täts­si­che­rung wider: von retro­spek­ti­ver Veri­fi­ka­ti­on zu Echt­zeit-Pro­zess­in­tel­li­genz.

Wenn Ihr Unter­neh­men eva­lu­iert, wie die rich­ti­ge Daten­ba­sis geschaf­fen wer­den kann und wo Com­pu­ter Visi­on und KI-gestütz­te Inspek­ti­on in Ihre Qua­li­täts­stra­te­gie pas­sen, neh­men Sie Kon­takt zu unse­rem Team auf, um die Mög­lich­kei­ten zu erkun­den. Die Tech­no­lo­gie ist bereit. Die Fra­ge ist, ob Ihre Qua­li­täts­sys­te­me bereit sind, sich mit ihr wei­ter­zu­ent­wi­ckeln.

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Stat­Soft lie­fert seit über 30 Jah­ren fort­schritt­li­che Ana­ly­se­lö­sun­gen für hoch­re­gu­lier­te Pro­duk­ti­ons­um­ge­bun­gen. Unse­re Phar­ma Suite inte­griert KI-gestütz­te visu­el­le Inspek­ti­on, Pro­zess­ana­ly­tik und Qua­li­täts­in­tel­li­genz in eine ein­heit­li­che Platt­form, die spe­zi­ell für die phar­ma­zeu­ti­sche Pro­duk­ti­on ent­wi­ckelt wur­de.

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